17.09.2015

Der zweite Roundtable zur Integration chronisch erkrankter Menschen in das Berufsleben fand am 17. September 2015 statt

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Zum zweiten Mal trafen sich diesmal bei der Deutschen Börse AG Diskussionsteilnehmer, um darüber zu debattieren, wie es chronisch erkrankten jungen Menschen ermöglicht werden kann, ohne Stigmatisierung den Weg in das Berufsleben zu finden.

Unter den Teilnehmern waren Vertreter der Deutschen Börse AG, der AbbVie Deutschland GmbH & Co KG, des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, der Frankfurter Beschäftigungsbetriebe, der Landesarbeitsagentur Hessen, der aktion luftsprung sowie Betroffene, die den Weg in das Berufsleben gefunden haben.

Abbvie Deutschland stellt Programm für Praktika vor

Zum Auftakt stellte die Vertreterin von AbbVie Deutschland ein Programm vor, das chronisch erkrankten Menschen ein Praktikum bei Abbvie ermöglichen soll. Unter dem Motto „Patients at heart“ stellt Abbvie bis zu 15 Praktikumsplätze für Chroniker zur Verfügung. Die Initiative dient dazu, Hemmnisse bei Kollegen gegenüber chronisch Erkrankten abzubauen. Man will Erfahrungen sammeln, wie man das Arbeitsumfeld auf die Bedürfnisse von Arbeitnehmern mit unterschiedlichen chronischen Erkrankungen anpassen kann. Die Initiative hat innerhalb des Unternehmens großen Anklang gefunden. Viele Arbeitnehmer haben sich beworben, als Pate für Praktikanten zur Verfügung zu stehen. Erfahrungen mit chronisch erkrankten Arbeitnehmern zeigen, dass es sich in den meisten Fällen um sehr motivierte Mitarbeiter mit hoher Einsatzbereitschaft handelt. Zum Teil fällt auf, dass diese Gruppe von Mitarbeitern krankheitsbedingte Einschränkungen überkompensiert, um im leistungsorientierten Arbeitsumfeld nicht als bedingt einsatzfähig aufzufallen.

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Flexibilität ja, Sonderbehandlung aber nicht gewollt

In der anschließenden Diskussion wurden noch einmal die Pros & Cons eines transparenten Umgangs mit der Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber erörtert. Outen ja oder nein – das hängt von der individuellen Situation eines Bewerbers ab, so im Ergebnis die Meinung der Roundtable Teilnehmer. Aus Sicht der Arbeitgeber-Vertreter sollte eine Stigmatisierung chronisch Erkrankter in jedem Fall vermieden werden. Es gibt in jedem Unternehmen leistungsschwache oder leistungsunwillige Mitarbeiter, die die Produktivität eines Unternehmens mehr schwächen als motivierte „chronische Talente“, die sich oft durch Disziplin und Leistungswillen auszeichnen, so ein Unternehmensvertreter. Allerdings, müssten diese Menschen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein mitbringen. Ermutigung ist erforderlich – das kann ein Mentoring, wie das der aktion luftsprung leisten. Eine Herausforderung wurde darin gesehen, für die Vorgesetzten der chronisch erkrankten Bewerber Anreize zu schaffen, Chroniker bei sich einzustellen, ohne bei der Erfüllung der betrieblichen Anforderungen Nachteile zu erleiden. Eine Idee wäre, bei der Anrechnung auf Planstellen im Unternehmen, chronisch Erkrankte Arbeitnehmer nicht als volle Stelle zu bewerten.

Betriebliches Eingliederungsmanagement notwendig

Um die Bereitschaft der Unternehmen für eine Eingliederung von chronisch Erkrankten zu erhöhen, bedarf es nach Ansicht der Diskutanten einer Offenheitskultur, die aus der Geschäftsleitung kommen sollte. Auf dieser Ebene kann vorbildhaft das Klima geschaffen werden, damit die mittlere Unternehmensebene eine positive Haltung und Verständnis für die Bedürfnisse der chronisch erkrankten Mitarbeiter entwickelt. Patenschaften wurden ebenfalls als mögliches Instrument gesehen. Flexible Arbeitsplätze und Arbeitszeiten seien als absolut notwendig. Allerdings seien hier die Anforderungen je nach Arbeitgeber, Branche und Arbeitsplatz unterschiedlich. So sei man bei Schreibtischarbeiten flexibler als bei Schichtdiensten. Es wurde auch erwähnt, dass es nützlich sein kann, für zeitkritische Aufgaben redundant zu arbeiten, d.h. eine weitere Person für den Fall vorzuhalten, dass gesundheitliche Probleme zu Ausfällen führen. Im Ergebnis war man sich einig, dass jeder Lösungsansatz individuell ausgerichtet sein muss.

Vernetzung und Sensibilisierung notwendig

Während es zur Inklusion von körper- und geistig Behinderten vielfältige Initiativen gibt und ein hohes Bewusstsein zum Thema geschaffen werden konnte, fehlt es derzeit noch an einer Sensibilisierung für das Thema Berufseingliederung von chronisch erkrankten Menschen. Die Roundtable-Teilnehmer ermutigten die aktion-luftsprung weiter an einer Aufklärung insbesondere in der Welt der Arbeitgeber zu arbeiten und Vorurteile abzubauen. Da die Stiftung alleine zu klein ist, will man überlegen, sich besser zu vernetzen. Wichtige Bausteine sind die guten Kontakte zur Landesarbeitsagentur Hessen, zum Hessischen Ministerium für Soziales und Integration und zu den Unternehmen, die sich im Roundtable engagieren. Als Nächstes soll in kleineren Arbeitsgruppen an Konzepten gearbeitet werden, wie mit beispielsweise Modelle für eine leichtere Integration von chronisch Erkrankten entwickeln kann. Diese können dann bei Unternehmen vorgestellt werden. In diesem Zusammenhang soll überlegt werden, wie man in Veranstaltungen für Personalleiter von Unternehmen das Thema platzieren kann.

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