Chronisch Erkrankte haben es oft sehr schwer, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu finden. Daran ändern auch all die Anstrengungen zur Inklusion von Menschen mit einem GdB (Grad der Behinderung) nichts. Selbst die gesetzlich vorgesehenen Zuschüsse für die Beschäftigung dieser Personengruppe bleiben oft wirkungslos. Arbeitgeber befürchten, chronisch Erkrankte könnten zu oft ausfallen und keine adäquate Leistung erbringen.

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Aus Sicht der Arbeitgeber soll ein Mitarbeiter heute flexibel, belastbar und nach den Bedürfnissen des Arbeitgebers einsetzbar sein. Diesem Leitbild als chronisch erkrankter Mensch zu entsprechen, ist oft schwer möglich, da es gilt, die durch die Erkrankung beeinflusste Leistungsfähigkeit mit den Anforderungen des Arbeitsplatzes in Einklang zu bringen. Im Gegensatz zu den sichtbaren körperlichen und geistigen Einschränkungen sind chronische Erkrankungen in den meisten Fällen nicht sichtbar und daher bei einer Bewerbung nicht sofort erkennbar.

Deshalb wissen Arbeitgeber häufig nicht, dass ein Bewerber chronisch erkrankt ist. Für Bewerber ergibt sich daher die Frage, ob es besser ist, mit der Erkrankung offen umzugehen oder lieber zu schweigen. Wer offen ist, wird häufig stigmatisiert, wer die Erkrankung verheimlicht hat mit dem Problem zu kämpfen, die Erkrankung durch übergroßen Einsatz über zu kompensieren.

Laut einer Studie des Robert Koch Instituts aus dem Jahr 2012 geben 43% der Frauen und 38% der Männer an, von mindestens einer chronischen Erkrankung betroffen zu sein. Wir haben es also mit einer sehr kritischen Masse an leistungswilligen und auch – mit Einschränkungen – leistungsfähigen Menschen zu tun. Unternehmen sollten diese Potentiale nutzen.

Was bedeutet es, chronisch erkrankt zu sein?

Für den Betroffenen heißt das, sich konsequent an 365 Tagen im Jahr um seinen Körper kümmern zu müssen, ähnlich wie ein Marathonläufer, nur meist eben für einen sehr langen Zeitraum bzw. und das zumeist lebenslang. Ein Diabetiker z.B.beispielsweise kann keinen einzigen Tag seine Insulintherapie pausieren, da dies sonst eine lebensgefährliche Situation hervorrufen würde. Dies erfordert ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Disziplin, die diese Menschen durch ihr „Handicap“ mitbringen.
Und trotzdem haben die meisten Chroniker, auch wenn sie sich an die Therapien halten, den einen oder anderen Rückschlag. Nach so einem Ereignis heißt es dann, sich wieder an die alte Leistung heran zu arbeiten. Dies bringt ihnen Rückschläge und die führen dazu, mit „Niederlagen“ umzugehen zu können, nach einem Rückfall wieder aufzustehen und die eigenen Ziele weiter zu verfolgen. Dies lernen viele dieser Menschen bereits früh, wenn man bedenkt, dass z.B. bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen oder der bei Multipler Sklerose der Erkrankungsbeginn im frühen Erwachsenenalter liegt. Oder bei der Zystischen Fibrose (Mukoviszidose), der häufigsten angeborenen erblichen Stoffwechselerkrankung. Diese Krankheit erfordert die Therapie von der Diagnosestellung an einen täglich mehrstündigen Therapieaufwand.

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Inklusion fördern und Unterstützungsleistungen für Arbeitgeber beziehen

Systemische chronische Erkrankungen wie Mukoviszidose, Morbus Crohn oder rheumatische Erkrankungen sind nicht heilbar, weswegen viele Betroffene im Besitz eines Schwerbehindertenausweises sind. Im Zusammenhang mit der Schwerbehinderung existieren von Arbeitsagenturen oder Integrationsämtern verschiedene Unterstützungsleistungen für Arbeitgeber.
 So können beispielsweise ein Zuschuss von bis zu 70 % des Arbeitsentgelts als Eingliederungszuschuss (EGZ) oder bei einer Probebeschäftigung das Arbeitsentgelt und die Sozialversicherungsabgaben gewährt werden.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann zudem ein Minderleistungsausgleich vorgenommen werden. Über Höhe und Dauer des Zuschusses zum Arbeitsentgelt werden Einzelfallentscheidungen getroffen.
 Muss ein neuer Arbeitsplatz für den schwerbehinderten Arbeitnehmer eingerichtet werden, können diese allgemeinen Investitionskosten geltend gemacht werden. Arbeitgeber, die bestehende Arbeitsplätze behindertengerecht umgestalten müssen, können bis zu 100% der Kosten als Unterstützung erhalten.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Beschäftigung von einem schwerbehinderten Arbeitnehmer oder Auszubildenden bzw. ihnen gleichgestellten behinderten Menschen auf bis zu drei Pflichtarbeitsplätze angerechnet werden. 
Außerdem werden Informationsveranstaltungen, Lehrgänge und Seminare angeboten, die die Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben, die behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung, den Umgang mit behinderten Menschen, rechtliche Fragestellungen, betriebliches Eingliederungsmanagement etc. zum Gegenstand haben.
Die jeweiligen Unterstützungsleistungen für Arbeitgeber können unkompliziert beim zuständigen Integrationsamt beantragt werden. 
Die Zuschüsse zum Entgelt bei EGZ und Probebeschäftigung werden bei der Arbeitsagentur bzw. der ARGE/JobCenter beantragt.

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Unterstützung durch luftsprung-pro

luftsprung-pro möchte eine Brücke zwischen Betroffenen, die motiviert sind, einer geeigneten Beschäftigung nachzugehen und potentiellen Arbeitgebern, die bereit sind, entsprechende Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote anzubieten, bauen. 
Mit unserem Mentoren-Team, allesamt erfahrene Profis im Bereich Personalmanagement, stehen wir Betroffenen mit dem folgenden Leistungsangebot zur Seite:
• Potentialeinschätzung: Gemeinsam mit den Bewerbern entwickeln die Mentoren ein auf Interessen, Stärken und Schwächen basierendes Profil. Anhand dessen wird eine Einschätzung der Leistungsfähigkeit, auch unter Berücksichtigung des Krankheitsverlaufs, vorgenommen.
• Vorbereitung bei Berufswahl und Bewerbung: Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten werden aufgrund der Potentialeinschätzung identifiziert und entsprechende Angebote auf dem Arbeitsmarkt gesucht. Die Bewerber werden bei den Bewerbungsabläufen aktiv unterstützt, nach den Bewerbungsgesprächen werden Feedbackgespräche geführt.
• Ratgeber im Berufsalltag: Unsere Mentoren helfen, Arbeitszeiten und Therapiebedürfnisse gemeinsam mit Arbeitgeber und Arbeitnehmer abzustimmen. Durch diese individuelle Gestaltung des Berufsalttags kann das Leistungspotential des Arbeitnehmers optimal ausgeschöpft werden.
• Organisation und Moderation von Roundtable Diskussionen mit Arbeitgebern, Betroffenen, Arbeitsagentur und anderen Intermediären zwischen Arbeitssuchenden und Unternehmen.

 

Machen Sie mit bei luftsprung-pro und helfen Sie, chronisch kranken Menschen einen erfolgversprechenden Weg in die berufliche Zukunft zu ebnen!