17.11.2017

Am 9. November fand im Hause der Deutsche Börse AG der 4. Arbeitgeber-Round-Table von aktion luftsprung statt. Erneut gelang es der Stiftung eine beindruckend große Zahl Interessenvertreter an einen runden Tisch zusammen zu bringen – dieses Mal zum Thema Inklusionsmanagement. Die Arbeitgeberseite war vertreten durch Unternehmen wie die Deutsche Börse AG, die Deutsch Bahn AG, die , AbbVie Inc., die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und die KfW. Ebenso am Tisch Vertreter des Landes Hessen (Sozialministerium), der Arbeitsagentur, von Wirtschaftsverbänden wie das Institut der Wirtschaft, Köln und REHADAT, gemeinnützige Organisationen wie Aktion Mensch, die Deutsche Rheuma Liga, der DCCV, des Bundesverbandes PFAD sowie einige Arbeitnehmer-Vertreter mit chronischer Erkrankung.

 

IMG_2194

Nach den Begrüßungen durch die Gastgeber der Deutschen Börse und aktion luftsprung, wurde die Veranstaltung mit einer Vorstellung des “Inklusionsbarometer Arbeit – Situation von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt“ von Dagmar Greskamp (Aktion Mensch) eröffnet.

Insgesamt zieht Sie ein positives Fazit, da sich die Inklusionslage insgesamt verbessert hat, der Beschäftigungsgrad ist hoch und auch die Arbeitslosenzahl ist niedrig. Leider profitieren aber Menschen mit Behinderung immer noch nicht im gleichen Maße von der guten allgemeinen Beschäftigungslage wie Menschen ohne Behinderung. Dennoch, das Inklusionsbarometer zeigt für 2016 einen positiven Trend auf. . In der Digitalisierung liegt laut Studie von Aktion Mensch eine Chance für Menschen mit Behinderung, da mit einer gleichzeitig zunehmenden barrierefreien Arbeitswelt, bietet der Einsatz spezieller Technologien einen gute Einstiegsgrundlage für Menschen mit Behinderung.

IMG_2205

Im Anschluss an diesen Impulsvortrag zeigte Petra Winkelmann vom Institut der Wirtschaft/REHADAT in ihrem Vortrag „Barrieren auf dem Weg zum ersten Arbeitsmarkt für chronisch kranke Menschen“ ebendiese vielfältigen Barrieren auf und lieferte interessante Fakten und Einblicke. Insgesamt bilden Unternehmen immer noch zu wenige Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen aus. Leider wäre es gerade beim Einstieg in das Berufsleben wichtig, dass Unternehmen besonders Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen berücksichtigen würden. Bei drei Vierteln der Unternehmen scheitert es bereits an den räumlichen und technischen Ausstattungen, und zwei Drittel der Unternehmen geben an keinen Kontakt zu jungen Menschen mit Behinderung zu haben. Bei Menschen mit chronischen Erkrankungen – also nicht sichtbaren Behinderungen – hinzu, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt, da viele Bewerber ihre chronische Erkrankung nicht offenlegen. Insgesamt nur ein Viertel der Unternehmen in Deutschland bilden Menschen mit einer Behinderung aus. Beeindruckende Zahlen im gegensätzlichen Fall: Über 50 Prozent der Menschen mit einer chronischen Erkrankung im Beruf berichteten, dass es ihnen am meisten im Beruf geholfen habe, dass sie Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen erfahren hätten, noch weit vor flexibleren Pausen- und Arbeitszeiten (38 Prozent) oder Reduzierung der Arbeitszeiten (30 Prozent).

Frau Winkelmann berichtete, dass insbesondere der Fachkräftemangel in Deutschland als auch die Demographie zu einer Veränderung der Arbeitnehmerstruktur führe und es unabdingbar mache, dass Behinderte und chronisch Erkrankte fester Bestandteil der Arbeitnehmerschaft verstanden würden („Diversity als Inklusionsthema“). Ebenfalls relevant ist, dass die Anzahl der Menschen mit chronischer Erkrankung generell zunehmen wird.

Der Vortrag schloss mit der Forderung, dass weiterhin Barrieren in den Unternehmen abgebaut werden müssten und lieferte gleich einige Lösungspunkte mit, die zu mehr Einstellungen von behinderten Menschen führen würden. Führungskräfte in Unternehmen sollten gut informiert und überzeugt werden, flexible Arbeitszeiten und Home-office-Arbeitsplätze sollten ausgebaut werden, um nur zwei zu nennen.

Die anschließende Diskussion zum Thema „Wie kann Inklusionsmanagement zu einem festen Bestandteil der Unternehmenskultur werden?“ wurde kontrovers geführt und zeigte sowohl Herausforderungen als auch Lösungsansätze auf:

  • „Diversity“ ist ein Thema, an dem Unternehmen nicht mehr vorbeikommen, wenn sie auch in Zukunft gewinnorientiert und nachhaltig arbeiten wollen. Allerdings steht die Inklusion von Menschen mit Behinderung beim Thema „Diversity“ eher im Hintergrund.
  • Die Haltung von vielen Unternehmen muss sich noch grundlegend ändern – dies ist ein zentraler Baustein für gelungene Integration. Die Offenheit zu „Diversity“ und Inklusion ist eine Frage der Unternehmenskultur und muss auf der Leitungsebene mitgetragen, bzw. vorgelebt werden. Denn Arbeitgeber profitieren letztlich von der Loyalität willensstarker behinderter und chronisch erkrankter Arbeitnehmer.
  • Unternehmen unterscheiden bei Behinderung zwischen Neueinstellung und bestehender Mitarbeiterschaft. Während der Umgang mit der Belegschaft, denen eine chronische Erkrankung im Berufsleben widerfährt weitestgehend gut geregelt sei, tun sich diese Unternehmen bei Neueinstellung oder Ausbildung noch sehr schwer.

IMG_2195

Alle Teilnehmer der Veranstaltung waren sich einig, dass der Dialog fortgeführt und im Rahmen einer Arbeitsgruppe Lösungsmodelle für eine erfolgreiche Inklusion vertieft analysiert werden soll, mit dem Ziel, erfolgreiches Inklusionsmanagement zu ermöglichen.

Zurück